Tschüss Langeweile und Winterdepression

Braun weißes Pferd liegt im Schnee

Kommt Dir die folgende Situation bekannt vor?

Gerade, wo ich auf dem Weg in den Stall bin, fängt es an zu regnen. Das bedeutet zwar, dass der Boden nicht mehr gefroren ist, aber der Platz ist auch nicht mehr optimal zum Reiten. Dann halt ein Ausritt. Ich suche auf der Koppel mein Reitbeteiligungspferd und finde einen frisch gewälzten Schimmel – jetzt eher ein Schnitzelpony – vor. Das war‘s heute mit dem Reiten. Der frische Matsch geht kaum ab. Damit ist Bodenarbeit angesagt. Eigentlich mag ich auch Bodenarbeit, nur manchmal fehlen mir einfach die Ideen.

Wenn es Dir genauso geht, dann bietet sich ein Tagebuch oder ein Kalender an. Ideal um Ideen zu notieren und das Programm abwechslungsreich zu gestalten. Denn nichts ist schlimmer als ein Hallenkoller. Du kannst auch gleich aufschreiben, was richtig gut lief oder woran noch dringend gearbeitet werden muss.

Abwechslung ist wichtig

Pferde sind ja prinzipiell lauffreudige Tiere. Wenn dann im Winter auf Grund von Wetterverhältnissen die Koppelzeiten gekürzt werden müssen und / oder der Boden Laufspiele unter den Pferden nicht zulässt, kommt Langeweile auf. Hinzu kommt noch, dass die Bodenverhältnisse das Reiten vielleicht nicht wie gewohnt zulassen. Jetzt ist Abwechslung gefragt!

Und die ist wichtig, denn die Tage jetzt sind kurz und trist. Fällt wegen Kälte zwei, drei Tage das Training aus, ist es für die Pferde oftmals sehr eintönig. Optimaler weise sind die Pferde auch im Winter in der Herde auf der Weide. Sie brauchen Tageslicht, Wärme und Kälte für ihren Stoffwechsel und ihr Immunsystem. Selbst bei der wenigen Sonne im Winter reicht die UV-Strahlung aus, um das wichtige Vitamin D zu bilden. Pferde benötigen dieses Vitamin für die Leistung der Muskeln.

Also, egal wie das Wetter ist, für Dich gibt es gute Kleidung, raus mit Dir und Deinem Pferd und nach Möglichkeit auch an die frische Luft.

Monotone Arbeit an der Longe im Kreis ist auf Dauer sehr langweilig. Hier kannst Du gut Variationen einbauen, wie z. B. mal ein Training an der Doppellonge. Bei einem Training mit Stangen muss Dein Pferd die Beine mehr anheben und mit der Hinterhand weiter unter den Körper treten. Stangen lassen sich auch gut als Gassen nutzen. Da ist Konzentration gefragt. Wenn Du Stangenreihen benutzt, sind je nach Gangart, die Abstände zu beachten, damit Dein Pferd sich nicht vertritt. Gestaltest du das Longentraining abwechslungsreich, bleibt Dein Pferd bei der Sache. Dann kann es beim Training seine Balance und den Takt verbessern.  Das ist für eine bessere Losgelassenheit wichtig.

Kannst du Dein Pferd körperlich nicht ausreichend belasten, ist Arbeit für den Kopf eine tolle Alternative. Hier können verschiedene Sachen mal wieder geübt werden, wie z.B. Losgehen und Anhalten auf Kommando, Rückwärtsrichten, Seitwärtstreten, Schulter herein, langsames versammeltes Gehen, langsames versammeltes neben Dir her Traben, im Wechsel Schritt/Trab auf Kommando, generell Bodenarbeit an der Hand.

Erfahrungen nutzen

Hast Du schon viel Erfahrung damit, kannst Du noch Stangen und Pylone mit einbauen. Flatterbänder oder Hindernisse aus Poolnudeln bringen auch Abwechslung ins Training und schulen die Balance. Dein Pferd wird auch viel zum Nachdenken haben, wenn Du Planen, Tüten, Regenschirme und Ballons mit ins Training einbaust. Bei viel Kopfarbeit für das Pferd, ist weniger mehr eine gute Regel. Denn bei zu viel Kopfarbeit auf einmal oder wenn Dein Pferd es erst lernen muss, führt zu langes Training zu einer Überforderung.

Übungen wie Seitwärtsgänge oder Volten um Dich herum, können auch gut im Gelände durchgeführt werden. Hast du die Möglichkeit, im Gelände bergauf und bergab zu gehen? Oder in einem Waldstück, wo viele Äste am Boden liegen oder wo viel Wurzelwerk vorhanden ist? Prima! Denn hier ist Konzentration und ausbalancieren verlangt.

Bei all diesen Übungen leidet zwar etwas die Kondition, aber das kann ja nachgeholt werden, so wie sich Ausritte im Schnee anbieten oder die Bodenverhältnisse wieder besser sind.

Die Winterzeit eignet sich übrigens auch sehr gut für ein Hängertraining. Das kann jetzt ganz entspannt und ohne Zeitdruck stattfinden. Probleme beim Hufe geben? Das kannst du jetzt alles ohne Hektik üben. Wichtig ist nur, darauf zu achten, dass Dein Pferd auf gefrorenem Boden nicht ausrutschen kann.

Wie war das gleich mit dem Gelassenheitstraining?

Wenn Pferde das Gefühl haben, dass ihnen eine Gefahr droht, greifen sie nicht an, sondern sie ergreifen instinktiv die Flucht. Deshalb können sie in Sekundenschnelle auf 180 sein, aber auch genauso schnell wieder runterkommen. Das ist wichtig für Fluchttiere, denn Aufregen und Flüchten kosten Energie und mit Energie muss sparsam umgegangen werden.

Pferde orientieren sich auch an ihrer Herde und sie können ihre Gegenüber unglaublich gut lesen. Das kannst Du Dir alles zunutze machen. Du bist die Ruhe selbst, wenn Du Deinem Pferd etwas Neues zeigst, z.B. eine Plane am Boden. Zeig ihm, dass vermeintlich unheimliche Dinge gar nicht schlimm sind.

Gelassenheitstraining ist dafür gut, dass Dein Pferd sich an Deiner Seite sicher fühlt und sich an Dir orientieren kann. Du findest das Ding am Boden nicht unheimlich, also kann man ja mal näherkommen und es vorsichtig beschnuppern. So kann das Pferd Stück für Stück lernen, mutiger zu werden.

Jedes Pferd lernt in seinem ganz eigenen Tempo und wenn Du ihm Zeit gibst und immer wieder lobst und bestätigst, dann lernt es nicht nur Neues, es schweißt Euch auch besser zusammen.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Egal ob Du mit Deinem Pferd ausreiten gehen kannst, der Außenplatz ein Reittraining zulässt, arbeiten in die Halle, Ihr Bodenarbeit macht, denk daran, Dein Pferd muss sich bei Minustemperaturen intensiver aufwärmen. Damit Muskeln, Sehnen und Gelenke auf die bevorstehende Belastung vorbereitet sind, sollte ein Pferd ausgiebig im Schritt geführt oder geritten werden.

Bei der Bodenarbeit im Freien bekommst Du kalte und nasse Füße, wenn Dein Schuhwerk nicht stimmt. Sind die Hufe eines Pferdes in Ordnung, isoliert das Hufhorn gegen die Kälte und der Huf ist so gut durchblutet, dass es auch bei Temperaturen unter 0 Grad keine „nassen Füße“ bei den Pferden gibt.

Normalerweise gilt beim Putzen: Staub, Schmutz und lose Haare gründlich aus dem Pferdefell entfernen. Nicht eingedeckte Pferde haben einen natürlichen Fettfilm, der die Isolierfähigkeit des Winterfells aufrecht erhält und so auch vor Nässe schützt. Wird das Bürsten jetzt übertrieben, leidet eben dieser Fettfilm.

Deshalb durfte das frisch gewälzte Schnitzelpony an diesem Tag auch so ungeputzt bleiben.

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Autorin: Bettina Staude

Bettina bietet neben tierpsychologischer Beratung auch eine Futterberatung für Hunde und Katzen an!

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Fabienne ist 36 Jahre jung und kommt aus dem schönen Freiburg.

Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

Hufpflege hat Fabienne wegen ihrer mittlerweile verstorbenen Stute Ganda erlernt. Sie hatte in jungen Jahren eine Hufrehe und demzufolge als Fabienne sie übernahm (sie war 17 Jahre) schlechte Hufe.

Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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