Wichteln auf der Finkenmühle

Die Pferdemädchen wollen Wichteln

Der erste Schnee fiel sehr früh auf der Finkenmühle. Die Pferde rutschten den kleinen Hang zur Koppel hinunter, weil die meisten noch ihre Eisen drauf hatten. Während die Pferde durch die Gegend eierten, strahlten die Mädchen im Stall, denn trotz strengen Corona-Auflagen wollten sie sich eine schöne Weihnachtszeit machen und von daher wollten sie unbedingt Wichteln.

Es fällt Schnee auf der Finkenmühle

Lilly trällert vor lauter Freude

Willy: Guten Mo…

Lilly trällert: Es schneit! Es schneit! Kommt alle aus dem Haus! Die Welt, die Welt, sieht wie gepudert aus!

Winnetou tobt über die Koppel: Noah teilte das Meer! Ich teile den Schnee! Wuhuuuuuu!

Willy: Ihr seid wie kleine Fohlen! Wahnsinn!

Lilly: Es schneit! Es schneit! Das müsst ihr einfach sehn! Kommt mit! Kommt mit! Wir wollen toben geh’n!

Romano genervt: Danke, Lilly, wir haben’s kapiert. Es schneit! Super! Meine Mähne wellt sich bereits und es zieht!

Gipsy: Lass sie doch! Wenigstens zwei sind gut drauf!

Polly legt die Ohren: Jetzt bräuchte man wirklich Finger! Lillys Gekreische hält man ja nicht aus!

Lilly brüllt mittlerweile: Aus grau wird weiß, aus leis wird laut!

Polly brüllt dagegen: Nein, Lilly! Aus LAUT wird LEIS!

Lilly zeigt ihr die Zähne: Ich will jetzt aber singen und den Schnee feiern!

Silas träge: Ich finde, Lilly, du singst echt toll.

Polly: Toll? Das nennst du toll?! Das ist SLS!

Silas: Hä?

Romano: Was ist SLS?

Willy: Schrill, laut und schief. Da muss ich Polly aber Recht geben.

Winnetou wirbelt den Schnee auf

Winnetou rast, eine Schneewolke vor sich her schiebend, heran: Kommt schon! Lasst uns eine Schneeballschlacht machen!

Kurz vor Romano und Willy bremst er abrupt, wodurch eine Ladung aufgewirbelter Schnee auf die beiden niederregnet. Romano legt die Ohren an und macht einen Bocksprung auf ihn zu. Zumindest versucht er es. Bei seinem Talent stolpert er über seine Vorderbeine und liegt – zack – im Schnee.

Romano: Man! Scheiße! Moment … warte … uuuuuhhh, Chef, das musst du testen. Das ist soooo fluffig! Ich werd wahnsinnig! Uuuuuh flauschig! Er wälzt sich übermütig im Schnee.

Willy verdreht die Augen: Wie kleine Fohlen… alle! Leute! Versammlung! Jetzt!

Romano steht auf: Brrrr… es ist soooo kalt! Wie kann es fluffig und gleichzeitig soooo kalt sein? Mies!

Gipsy: Wenn Denken nicht zu den Stärken gehört… Sie geht zu Romano und kuschelt sich an ihm, damit ihm wärmer wird.

Willy will wuchteln, äh wichteln

Willy: So, ich hab da was mitbekommen. Die Menschleins wichteln. Das will ich auch machen!

Winnetou: Was ist wuchteln?

Romano: Meine Reiterin war mal in einer Comedy-Show. Da gab es die Todes-Wuchtl!

Plötzlich haucht eine Stimme: To – To – Todes-Wuchtl? Ich werde sterben… Balou lag regungslos am Boden, schon total eingeschneit, jetzt hebt er den Oberkörper.

Gipsy: Balou, was genau tust du da?

Balou bringt sich vor dem Schneemonster in Sicherheit

Balou: Ich mach mich unsichtbar. Damit mich das Schneemonster nicht sieht. Ich mach mich ganz klein.

Polly: Jetzt fehlen ihm amtlich ein paar Möhren im Futtertrog!

Silas trottet auf Balou zu: Komm schon, steh auf, du holst dir eine Blasenentzündung. Dagegen sind die Schneemonster total süß!

Balou steht auf: Und was ist jetzt mit dem Wuchteln?

Willy: Wichteln! Mit i, wichteln!

Winnetou: Das macht es nicht besser, ich kapier es trotzdem nicht.

Gipsy: Das ist ein Brauch in der Weihnachtszeit. Jeder zieht einen Zettel mit einem Namen drauf. Von der Person ist man dann der Wichtel und besorgt ein passendes Geschenk. Das legt man dann heimlich in den Spind der Person.

Lilly: Geschenke? GESCHENKE! Bin dabei!

Polly: Das war so klar. Wie kindisch!

Willy: Also gut, Gipsy hat’s erklärt. Ich will wichteln und ihr macht alle mit. Ich sag euch Nummern und ihr seid der Wichtel von dem Pferd, das bei der entsprechenden Nummer heute die Koppel verlässt. Der Chef hat gesprochen!

Lilly begeistert: Aye, aye, captain!

Endlich ist die Zeit des Wichtelns gekommen

Die Wochen bis Weihnachten vergingen wie im Flug und nun ist der große Tag des Wichtelns gekommen. Die Pferde haben eifrig ihre Geschenke besorgt.

Lilly: Es schneit! Es schneit! Kommt alle angerannt! Guckt, was ich heute fand! Vor meiner Box war ein leckerer Keks, den aß ich geradewegs!

Polly genervt: Und wieder ein Pferd mit Weihnachtskoller!

Lilly reimend: Du bist eine dumme Nuss. Ich sag dir mit liebem Gruß: Du kannst mich kreuzweise, du doofe …

Polly flippt aus: HÖR DAS REIMEN AUF! Das ist noch grottiger als dein Singen!

Und während sich die beiden Stuten anzicken, tauschen die anderen Pferde sich über ihre Wichtelgeschenke aus.

Silas flüsternd zu Willy: Chef, ich hab von der Tasche eines Reitermädchens so einen Pferdekeks gemopst, weil Lilly die so mag. Ich war nämlich ihr Wichtel! Und da ich direkt neben ihr meine Box habe, war das super leicht.

Willy: Gut gemacht! Was habt ihr denn Hübsches bekommen?

Winnetou: Meine Box war heute Nacht plötzlich offen und dann bin ich heimlich raus.

Willy: Äh… was?

Winnetou verträumt: Ich konnte endlich den Mond anstarren und die funkelnden Sterne betrachten. Das hab ich mir soooo gewünscht!

Gipsy grinst: Wie das nur zugegangen ist? Gipsy schafft es immer wieder, ihre Box zu öffnen. Da die Boxentür sehr schwerfällig verriegelt, schaffen es viele Kinder nicht und lassen die Box unbemerkt unverschlossen.

Romano: Bananen! Drei Bananen! Einfach lecker!

Willy grinst und freut sich, dass er drei Bananen vor Romanos Box nach der letzten Stunde in der Halle deponieren konnte.

Gipsy: Karotten, 5 saftige Karotten!

Balou ist stolz, dass er die fünf Karotten nicht aufgegessen, sondern gesammelt hatte. Er, Romano, Gipsy und Willy stehen in derselben Stallgasse. Ein Kinderspiel also.

Balous Wichtelgeschenk ist echt gruselig

Balou: Es war total gruselig. Bei mir lagen früh plötzlich Apfelleckerlis in der Halle, durch die ich immer geh. Nach dem ersten Schrecken hab ich die dann aber gegessen. Muss ich jetzt sterben?

Romano zwinkernd: Nein, Kumpel, das war von deinem Wichtel.

Willy: Bei mir war der Deckel der Haferfuttertonne einfach offen. Was für ein Fest. Ich strotze vor Energie. Das wird sicher lustig in der Stunde!

Lilly: Reiß dich zusammen, Chef. Die Reitlehrerin findet das sicher nicht toll. Ohje, vielleicht war mein Geschenk an dich nicht das beste…

Willy: Wie hast du den Deckel überhaupt runtergebracht?

Lilly: Hab Frauchen dahingezogen und dann mit dem Popo gewackelt!

Gipsy: Und genau deshalb rieselt da jetzt Hafer raus, weil du die Tonne auch gleich mit in Mitleidenschaft gezogen hast.

Silas schmatzend: An meinem Lieblingsfleck auf der Koppel war der ganze Schnee weggescharrt und darunter waren noch Blätter und ein paar Grashalme.

Polly lächelt: Für dich schwitze ich sogar gerne!

Geht Polly etwa leer aus?

Silas neugierig: Was hast du bekommen?

Polly traurig: Eine leere Papiertüte.

Lilly lacht: Da hat jemand mitgedacht. Die kannst du dir über den Kopf ziehen, wenn ich singe oder reime.

Polly: Haha, sehr witzig! Kann ja eigentlich nur von dir kommen. Aber du warst ja nicht mein Wichtel.

Winnetou verwirrt: Ich habe dir die Tüte geschenkt. Aber die war randvoll mit Semmeln. Ich hab doch meine Box direkt neben dem Futterlager. Kinderspiel, so eine ganze Tüte mitgehen zu lassen. Aber die war wirklich nicht leer! Während alle über die verschwundenen Semmeln rätseln, entfernt sich heimlich ein schmatzender Silas.

Silas! Das darf doch nicht wahr sein!

Willy bemerkt es: Silas! Das darf doch nicht wahr sein!

Silas trottet mit gesenktem Kopf zurück: Tschuldigung! Es roch so gut. Ich wollte ja nur eine Semmel mampfen. Aber plötzlich war die Tüte leer und ich konnte keine neuen Semmeln mehr holen gehen. Polly, tut mir leid, die Semmeln waren aber auch nicht besonders gut, wirklich!

Polly fängt das Weinen an: Mich hat hier ja eh kaum einer lieb. Ich hab mich so gefreut, dass ich beim Wichteln mitmachen durfte. Die leere Papiertüte finde ich trotzdem ganz nett. Polly nimmt die leere Papiertüte vorsichtig mit den Lippen auf und trägt sie behutsam weg.

Willy: Leute, das können wir so nicht stehen lassen!

Lilly: Ja, Chef, auch wenn Polly mit ihrer Blinkerei echt nervt und eingebildet ist und viel zu oft zickt, gehört sie zu unserer Gruppe wie die Kerze auf dem Kuchen!

Silas: Ich mach das wieder gut! Ich lass mir was einfallen!

Eine unvergessliche Weihnacht

Romano: Kommt, wir machen Polly ein unvergessliches Weihnachtsfest! Das sind wir ihr schuldig!
Die Pferde stecken die Köpfe zusammen. Dann nickt Willy und jedes Pferd läuft emsig davon.

Die nächsten Tage wird Polly immer wieder davon abgehalten, die Waldseite der Koppel zu besuchen, ohne dass sie es groß merkt. Am 24.12. drängt Romano Polly auf der Koppel zur Seite.

Polly: Ich bin nicht in Stimmung. Sonst willst du auch nie!

Romano: Darum geht es doch gar nicht. Warte einfach ab…

Nach einiger Zeit schiebt er Polly an das andere Ende der Koppel, an dem sich ein kleiner Wald anschließt und wo die Äste der Fichten in die Koppel hineinragen. Unter den Ästen liegen verschieden zusammengetragene Leckereien: Äpfel, angelutschte Semmeln, angebissene Karotten, Bananenstücke und Kekse. Bunte Handschuhe und Gerten hängen in den Zweigen und Pollys Papiertüte ist mittendrin.

Willy: Das Beste kommt noch!

Er kickt mit voller Wucht gegen den Stromgenerator des Koppelzauns. Dann summt und brummt es kurz, dann knackt es und plötzlich leuchten die Zweige auf. Pollys Augen werden immer größer. Dann fängt ihre Unterlippe das Zucken an und erneut kullern die Tränen.

Romano legt den Kopf schief: Wir dachten, dir gefällt das vielleicht?

Gipsy: Du hast dir doch immer ein familiäres Weihnachtsfest gewünscht, so wie du es durch die Fenster der Häuser jedes Jahr gesehen hast.

Silas reumütig: Ich hab alles, was ich an Leckereien die letzten Tage bekommen habe, für dich aufgespart. Manches musste ich aber einfach probieren …

Polly ist überglücklich

Polly strahlt und weint: Es ist perfekt! Wir haben einen Christbaum mit Lichtern und Handschuhen und wir haben ein großes Buffet und, Lilly, … wir haben sogar dich als Weihnachtsmusik! Das wird ein Fest! Ihr seid die Besten!
Polly legt ihren Kopf auf Gipsys Schultern ab und lächelt glückselig vor sich hin. Winnetou hat sich mittlerweile zwei Handschuhe über die Ohren gezogen und wackelt damit. Als Lilly das sieht, fängt sie ein Lied an und alle Pferde stimmen ein. Sogar der ängstliche Balou findet Weihnachten toll, auch wenn er sehr skeptisch den herumhüpfenden Winnetou mit seinen Wackelohren im Auge behält.

Lilly: You know Polly and Gipsy and Willy and Lilly – Romano and Balou and Winnetou and Silas. But do you recall the most famous reindeer of all? Rudolph the Red-Nosed Reindeer, had a very shiny nose and if you ever saw it, you would even say it glows!

Willy: Wir wünschen euch da draußen ein wundervolles Weihnachtsfest im Kreise eurer Liebsten! Pferdestarke Grüße von der Finkenmühle, kommt gut ins neue Jahr, bis bald!

Und Silas fügt hinzu: Und denkt an eure pelzigen Freunde. Da geht der eine oder andere Apfel mehr noch rein!

Wir wünschen Euch ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2022.


Autorin: Tamara Dörsch

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