Warum Dein Pferd buckelt

Die meisten Reiter haben es schon einmal erlebt, ihr Pferd buckelt und sie sind unfreiwillig abgestiegen.

Schimmel buckelt im Schnee

Oftmals kommt das Buckeln ganz überraschend. Die Spannweite reicht von kleinen Hüpfern bis zum gefährlichen Buckeln. Wer es ganz genau nimmt, unterscheidet zwischen Bocken und Buckeln. Ein Buckeln ist dann nur ein kleiner Hüpfer, bei dem meist nur zwei Beine den Boden verlassen. Bei einem Bocksprung hingegen heben alle vier Beine vom Boden ab, dabei ist der Kopf stark gesenkt.

In der Regel steckt keine böse Absicht dahinter. Dein Pferd will Dich nicht loswerden. Es kann damit Freude ausdrücken oder auch Dampf ablassen. Vielleicht habt Ihr gemeinsam gerade eine Übung erfolgreich gemeistert. Genau wie du empfindet auch Dein Pferd Freude dabei.

Bist Du schon einmal unfreiwillig abgestiegen und hast Dich sogar dabei verletzt, ist das Thema „Buckeln“ mit Angst besetzt. Vielleicht kann Dir mein Tipp weiterhelfen und Dir mehr Sicherheit geben.

Warum buckelt Dein Pferd?

Rappe buckelt auf dem Reitplatz

Ein Grund ist schlicht und ergreifend, dass Dein Pferd Spaß daran hat, sich zu bewegen und ist übermütig.

Weitere Gründe können sein, dass Dein Pferd zu viel energiehaltiges Futter bekommt und die überschüssige Energie nicht abbauen kann. Dann kann es passieren, dass Dein Pferd unter Dir regelrecht explodiert.

Bei jungen Pferden kann Buckeln ein Zeichen für Überforderung sein. Wenn es seine Lektion nicht versteht, möchte es aus dieser für ihn beängstigen Situation fliehen.

Manchmal steckt auch Faulheit dahinter: Das Pferd hat gelernt, durch Abbuckeln des Reiters der Arbeit zu entkommen.

Rückenprobleme?

Buckeln kann auch ein Anzeichen für Rückenschmerzen sein. Gerade plötzlich und unerklärliche Rittigkeitsprobleme können auf Rückenprobleme zurückzuführen sein. Ganz typisch dafür ist, wenn sich Dein Pferd im Rücken festhält und nicht mehr mitschwingt, Hals und Rücken werden weggedrückt und der Kopf hochgetragen. Es lässt sich nicht mehr stellen und biegen und fängt an, sich gegen den Zügel zu wehren, indem es mit seinem Kopf schlägt oder sich einrollt. Taste den Rücken Deines Pferdes ohne Sattel ab und achte auf mögliche Schmerzreaktionen wie wegzucken oder ausweichen. Hier kann Dir eine tierphysioligische Untersuchung helfen.

(Anm. der Redaktion: Im Raum München kann Dir hier die Pferdelinse-Expertin Rachele Wood helfen.)

Ursachen für Rückenprobleme

Eine der Hauptursachen für Rückenschmerzen ist fehlende Gymnastizierung. Durch ein gutes Zusammenspiel der Muskulatur kann Dein Pferd den Rücken aufwölben. Nur so kann ein Pferd seine Muskulatur richtig einsetzen, um den Reiter auf seinem Rücken zu tragen.

Auch der Sattel sollte regelmäßig überprüft werden. Wird die Muskulatur falsch belastet, entstehen Druckpunkte, die zu starken Verspannungen und damit zu Rückenschmerzen führen können.

Auch die Haltungsform spielt eine wichtige Rolle für die Rückengesundheit Deines Pferdes. Pferde fressen auf der Wiese mit gesenktem Kopf vorwärtsbewegend. Bei dieser Haltung wird der Rücken automatisch aufgewölbt und auch die Bauchmuskeln spannen sich an. Kann Dein Pferd in seiner natürlichen Haltung so nicht fressen, können Probleme im Bewegungsapparat entstehen.

Kannst Du gesundheitliche Probleme ausschließen, kann Dein Pferd von einem abwechslungsreichen Training profitieren. Du könntest Dein Pferd zum Beispiel mit Cavaletti-Training gut gymnastizieren. Auch wenn Du reitest, solltest Du auf Abwechslung achten. Ein Pferd sollte sich nicht unter dem Reiter langweilen.

Was Du tun kannst, wenn Dein Pferd unter Dir buckelt.

Was Ingrid Klimke dazu sagt

Die Reitmeisterin Ingrid Klimke empfiehlt: Fußspitzen vor das Knie und in den leichten Sitz gehen, damit Du den Bocksprung nicht selbst in den Rücken bekommst und aus dem Sattel herauskatapultiert wirst.

Das ist technisch gesehen richtig, bedeutet aber auch, dass die Bewegungsabläufe automatisiert sind und Du nicht darüber nachdenken musst. Es ist ja eher so, dass das Buckeln überraschend kommt und auch gerne, wenn man nicht damit rechnet.

Mich hat es unvorbereitet getroffen

Mich hatte es in einer völlig überraschenden Situation erwischt. Ich wollte mit meinem Reitbeteiligungspferd Frax über eine am Boden liegende Stange galoppieren. An diesem Tag hatte ich ein Knoten im Kopf und Frax ist mir immer wieder ausgefallen. Als wir es endlich geschafft hatten, habe ich mich total gefreut und er sich auch. Das hat er mit einem Buckeln gezeigt. Ich habe damit nicht gerechnet und fand mich auf dem Boden liegend wieder. Im Nachhinein kann ich Dir zwar sagen, ich habe gemerkt, wie es mich aus dem Sattel herauskatapultiert hat, aber in genau diesem Moment war ich einfach nur überrascht.

Wenn Dein Pferd unter Dir buckelt, versuche ruhig zu bleiben. Gerätst Du in Panik, zerrst Du an den Zügeln und klammerst Dich vermutlich auch mit den Beinen fest. Damit kannst Du Deinem Pferd Schmerzen zufügen und es wird sicher weiterbuckeln. Du selbst bist ja dann auch zu sehr angespannt, um noch richtig zu reagieren.

Mein Tipp

Jetzt der versprochene Tipp (und ich weiß, es ist teilweise unter den Reitern verpönt): Gehört Dein Pferd zu denen, die gerne mal buckeln oder bist Du schon unfreiwillig abgestiegen und fühlst Dich etwas unsicher, halte Dich am Riemchen vom Sattel fest. Nicht mit der ganzen Hand, zwei Finger reichen. Oder Du nutzt zusätzlich einen Halsring. Das machst du solange, bis Du ein gutes und sicheres Gefühl für Dich wiedergewonnen hast. Denn Du weißt ja, wenn Dein Pferd entspannt ist, bist Du es auch.

Wenn Dein Pferd ansetzt zu buckeln und Du Dich der Situation gewachsen fühlst, bringe es in eine enge Biegung. Buckeln ist eine gradlinige Bewegung und kann nicht in der Biegung ausgeführt werden. Eine gute Sitzhilfe, Schenkeldruck und ein wohldosierter Zügelzug sind dafür wichtig. Ziehst Du zu fest am Zügel, fügst Du Deinem Pferd Schmerzen zu. Es wird dann versuchen, sich gegen Deine Hilfen zu wehren.

Merkst Du, dass Du fallen wirst, halte Dich nicht krampfhaft fest. Versuche Dich im Sturz so gut wie möglich abzurollen, damit Du nicht flach auf dem Rücken oder auf dem Bauch landest. Das Abrollen kannst Du gut mit Purzelbäumen üben. Purzelbäume zu üben ist ein wichtiger Bestandteil in vielen Sportbereichen zum Thema Sturzprophylaxe. Dabei lernt Dein Körper diesen Ablauf zu automatisieren.

Und zu guter Letzt

Hast Du ein Pferd, vielleicht sogar ein junges, dass unter Dir immer wieder heftig buckelt, ist es sehr wichtig, sich in die Psyche des Pferdes einzufühlen. Oftmals wissen wir gar nicht, wie die Pferde angeritten wurden. Vielleicht akzeptieren sie den Sattel, aber haben Angst vor dem Reiter auf ihnen. Entweder hat es zu viel schlechte Erfahrung sammeln müssen oder es kann den Reiter auch als Raubtier empfinden. Ein Pferd kann nach vorne scharf und dreidimensional sehen, zur Seite unscharf und zweidimensional und hinten befindet sich der unsichtbare oder auch blinde Bereich. Ein Pferd kann seinen Reiter auf seinem Rücken genau genommen gar nicht sehen. Deshalb darf es keine Angst vor schlenkernden Beinen oder Armen haben, die mal in seinem Sichtfeld auftauchen können. Hier ist eine individuelle Lösung für das Pferd wichtig und wenn es sein muss, sollte auch das ganze Training von Grund auf neu und von Anfang an stattfinden.

Aus welchem Grund Dein Pferd auch buckelt, es tut es normalerweise nicht in böser Absicht. Also bestrafe Dein Pferd nicht dafür, sondern schau genau hin, was der Grund dafür sein kann.

Autorin: Bettina Staude

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Fabienne ist 36 Jahre jung und kommt aus dem schönen Freiburg.

Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

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Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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