Ist Strahlfäule ein Winterproblem?

Der Winter ist da. Und kennst Du auch das Gerücht, dass es im Winter vermehrt zu Strahlfäule kommt? Was machen wir also jetzt mit den Hufen unserer Lieblinge? Müssen sie im Winter besonders gepflegt werden? Und was können wir tun, um unsere Pferde zu schützen?

Ein gesunder Huf braucht im Winter keine Extras

Ein gesunder Huf benötigt zu keiner Jahreszeit irgendwelche pflegetechnischen Extras!

Was ist ein gesunder Huf?

Gesunder Pferdehuf von unten nach Bearbeitung durch Hufpfleger.
Gesunder Huf mit sehr ausgeprägtem Strahl. Pferd läuft über jeden Untergrund

Ein gesunder Huf zeichnet sich durch eine gute Hufstellung, regelmäßige Bearbeitung aus und muss regelmäßig ausgekratzt werden. Eine gute Stallhygiene ist ebenso wichtig wie die artgerechte Haltung der Pferde.

Hufe sind so gemacht, dass sie sich den Umweltbedingungen anpassen. Im Winter werden sie etwas weicher, da die Umgebung weicher ist und im Sommer härter, wodurch weniger Abrieb stattfindet.

Ist der Huf gesund, kommt er ohne Extras durch die Jahreszeiten. Auch wenn der Markt voll von Produkten ist, die Hufe angeblich je nach Wetter brauchen.

Tritt Strahlfäule im Winter häufiger auf?

Matschiger nasser Pferdehuf
Tiefe mittlere Strahlfurche durch Fäule die bis in den Ballen hoch geht. Strahl hat keinen Bodenkontakt.

Es hält sich das Gerücht, dass es im Winter durch vermehrte Nässe zu mehr Strahlfäule kommt. Strahlfäule ist eine bakterielle Erkrankung des Hufes, vor allem eben bei Pferden. Das Strahlhorn wird dabei durch Fäulnisbakterien zersetzt.

Gesunde Hufe neigen durch vermehrte Nässe jedoch selten zu Strahlfäule. Stellungs und –bearbeitungsfehler, die sich auf den Strahl auswirken, werden allerdings im Winter schneller sichtbar. Diese Fehler sind die häufigste Ursache für Strahlfäule bei Pferden. Ist der Strahl aufgrund mangelnder Durchblutung durch fehlenden Bodengegendruck oder zu wenig Platz unterentwickelt, können sich Bakterien besser festsetzen und zersetzen den bereits verkümmerten Strahl dann noch mehr.

Und was nicht durchblutet wird, stirbt ab!

Pferdehuf mit Strahlfäule
Tiefe mittlere Strahlfurche bis in den Ballen hoch durch Fäule. Fäule frisst sich auch seitlich in den Strahl. Strahl hat keinen Bodenkontakt.

Ebenso weicht die Nässe den Strahl etwas auf und Bakterien dringen in kleinere Lücken ein. Ist dieser Strahl bereits verkümmert, entsteht so Schritt für Schritt die Fäule. Ist der Strahl dagegen gesund und kräftig, sieht er zwar aufgrund der Nässe im Winter manchmal auch nicht so schön aus wie im Sommer, hat aber keine Fäule. Ich nenne dies gerne „Wintergammel“.

Der Unterschied zwischen Strahlfäule und „Wintergammel“

Strahlfäule - Huf frisch nach der Eisenabnahme. Hier Fäule aufgrund einer Fehlstellung und nicht passender Bearbeitung.
Gesunder Strahl mit normal tiefer mittlerer Strahlfurche. Die mittlere Furche ist breiter als bei Fäule und hat nur etwas Dreck darin

Der Unterschied besteht darin, dass sobald der Strahl trocken ist oder der Bearbeiter die loseren Stücke entfernt hat, der Strahl wieder gut aussieht. Der Strahl sieht auch mit „Wintergammel“ nicht zerfressen oder kümmerlich aus, im Gegensatz zu Fäule.

Ein Merkmal der Strahlfäule ist also meistens ein verkümmerter Strahl, der wie angefressen wirkt. Ein weiteres noch häufigeres Merkmal der Fäule ist die mittlere Strahlfurche, die dann sehr tief ist und bis in den Ballenbereich hoch geht. Das ist für das Pferd oft schmerzhaft, wenn man mit dem Hufkratzer rein geht. Auch bei Belastung kann dies schmerzhaft sein und sogar zu Lahmheiten führen. Tiefere äußere Strahlfurchen sind in der Regel kein Problem.

Mit diesen Tipps kannst Du Strahlfäule vermeiden

Korrekte Hufstellung und Bearbeitung

Regelmäßige Bearbeitungsintervalle für die Hufe sind am wichtigsten. Ich bevorzuge hier bei den meisten Pferden vier Wochenintervalle. Lieber mache ich regelmäßig weniger, als in großen Abständen viel, denn das geht alles auch zu Lasten des Bewegungsapparates. Stellungskorrekturen sind wahre Fleißarbeit, da heißt es dranbleiben und die Termine gewissenhaft einhalten.

Regelmäßig Hufe auskratzen

Um die Hufe Deines Pferdes möglichst gut zu pflegen, solltest Du sie mindestens alle zwei Tage auskratzen.

Bakterien können sich anaerob, also ohne Sauerstoff, am besten vermehren. Durch das Auskratzen kommt überall mehr Luft ran und die Bakterien sterben ab.

Tägliches Misten

Je weniger Bakterien in der Umgebung sind, desto besser ist das natürlich für den gesamten Pferdeorganismus. Daher ist es wichtig, täglich zu misten.

Artgerechte Haltung

Zugegeben, darunter versteht nicht Jeder das Gleiche.

Wenn Dein Pferd in einem Offenstall lebt, hat es in der Regel genug Fläche und Bewegungsfreiheiten. Bei Boxenhaltung ohne Paddock sollte es jedoch täglich sieben bis zehn Stunden Auslauf haben und mit Paddock täglich fünf bis sieben Stunden. Und im Fressbereich sollte möglichst auf einen befestigten Boden geachtet werden.

Bewegt sich Dein Pferd ausreichend viel, wird auch in den Hufen die Durchblutung angeregt (Hufpumpe/Hufmechanismus) und sowohl Horn als auch Strahl haben eine bessere Qualität.

Stehen die Pferde, da wo sie sich hauptsächlich aufhalten (Heuraufe etc.) im tiefen Matsch verändert sich die Hufstellung oft ins Negative und auch die Bakterien können sich besser vermehren, weil nicht ausreichend Sauerstoff an die Hufen kommt.

Im Matsch sinken die Trachten mehr ein und dadurch kann der Huf flacher werden, was nicht für alle Pferde gut ist. Aber bitte nicht falsch verstehen – Matsch schadet dem Huf grundsätzlich nicht und gehört auch in unseren Breitengraden zum Winter dazu – hier macht nur wie fast überall die Dosis das Gift.

Ruhig bleiben

Übertriebene Hygiene oder gar zu viele Mittel können am Ende schmerzhafte Reizungen verursachen. Wollt Ihr den Strahl hin und wieder desinfizieren, geht das auch mit Wasserstoffperoxid (gibt es zum Beispiel in der Apotheke) oder etwas Honig. Ihr könnt auch eine Drahtbürste aus dem Baumarkt nehmen und eine Runde schrubben.

Und was kann ich tun, wenn mein Pferd doch an Strahlfäule leidet?

Überprüfe die Tipps zur Vermeidung von Strahlfäule

Wichtig ist zunächst, erstmal die Tipps zur Vermeidung von Strahlfäule zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.

Mittel gegen Strahlfäule

Effol med Hufstrahl-Vital + Gelspray gegen Strahlfäule

Natürlich gibt es auf dem Markt viele Mittel, die gegen Strahlfäule helfen sollen. Jeder Hufpfleger hat da so seine eigenen Favoriten. Nur das beste Mittel hilft eben nichts, wenn der Rest nicht stimmt!

Ich persönlich meide Mittel wie Hufteer (die Gefahr des Luftabschlusses ist einfach zu groß) und Jodoformäther (kann reizen und bei tiefer Fäule dem Pferd sehr weh tun).

Ist die mittlere Strahlfurch sehr tief, sollte man auf jeden Fall alle zwei Tage mit der Flüssigkeit zusammen austamponieren. Hier reicht schon ein Stück Verbandsmull. Die Tamponage bewirkt zum einen, dass die Flüssigkeit länger im Strahl bleibt und zum anderen führt der Gegendruck bei den Lederhäuten zu mehr Durchblutung, was das Strahlwachstum anregt. Bitte die Tamponage nur sanft in die Furche drücken –

manchen Pferden tut das nämlich weh.

Es hilft alles nichts und Strahlfäule ist es auch nicht. Und nun?

Was kannst Du tun, wenn nun alle Punkte optimiert sind und der Strahl immer noch nicht besser wird?

Bei anhaltender tiefer Strahlfurche kann es auch Strahlpilz sein. Strahlpilz kann auch bei sehr gut entwickeltem Strahl und guter Hufstellung auftreten. Er kann jedoch sehr gut mit Mitteln behandelt werden. Auf dem Markt gibt es einige Mittel, die gegen Fäule und Pilz helfen.

Der andere, durchaus seltenere Fall wäre Strahlkrebs. Dieser hat verschiedene Entstehungsfaktoren – die Tipps zur Vermeidung von Strahlfäule tragen aber maßgeblich dazu bei, diesen zu verhindern. Sollte es sich jedoch wirklich um Strahlkrebs handeln, suche bitte unbedingt ein Expertenteam (Tierarzt und Hufbearbeiter) auf.

In diesem Sinne: Achtet gut auf die Hufe, denn sie tragen unsere Pferde


Autorin: Hufpflegerin Fabienne für „Fabiennes Hufiküre

Du möchtest mehr über Fabienne wissen? Du findest sie auch auf Instagram und Facebook. Schau‘ gerne mal bei ihr vorbei.

Fabiennes persönliche Empfehlung

Möchtest Du gerne ein Mittel gegen Strahlfäule in der Deiner Stallapotheke haben, empfiehlt Fabienne Dir Absorbine® Hooflex Frog & Sole Care zur Sohle- und Strahlpflege.

Weitere Hufpflegeprodukte findest Du hier.

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Fabiennes Hufiküre

Fabienne ist 36 Jahre jung und kommt aus dem schönen Freiburg.

Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

Hufpflege hat Fabienne wegen ihrer mittlerweile verstorbenen Stute Ganda erlernt. Sie hatte in jungen Jahren eine Hufrehe und demzufolge als Fabienne sie übernahm (sie war 17 Jahre) schlechte Hufe.

Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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