Wir lieben unsere Pferde, aber lieben sie uns auch?

Mann legt seine Stirn auf die Stirn des Pferdes

Autorin: Bettina Staude, Tierpsychologin und Futterberaterin

Können Pferde eifersüchtig sein?

In den sozialen Medien habe ich in den Kommentaren über ein interessantes Thema gelesen. Das Pferd fletscht die Zähne, wenn der Freund der Pferdebesitzerin mit in den Stall kommt.

Da stellt sich doch als Erstes die Frage: Ist das Pferd vielleicht eifersüchtig? Und können Pferde überhaupt eifersüchtig sein und bedeutet das dann auch, sie können uns lieben?

In der Tat können Pferde eifersüchtig sein

Eifersucht ist ein Gefühl, dass auch Pferde empfinden können. Wissenschaftler halten dieses Gefühl sogar für evolutionär sinnvoll. Es geht um die Sicherung ihrer Ressourcen.

Die Pferdeforscherin Dr. Konstanze Krüger vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg zusammen mit Gudrun Schneider vom Institut für Zoologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben das Verhalten vieler wilder Pferdeherden untersucht.

Besonders Leitstuten und hochrangige Stuten zeigen Eifersucht

Zwei Pferde zeigen typisches Herdenverhalten, indem sie sich gegenseitig pflegen.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass besonders Leitstuten und hochrangige Stuten deutliche Anzeichen von Eifersucht zeigen. Immer dann, wenn ihre Sozialpartnerin Freundschaften mit niedrigeren Herdenmitgliedern schließt. Besonders gut war das bei der gegenseitigen Fellpflege zu beobachten. Hat die Freundin eine neue Fellpflege-Freundin von niedrigerem Rang gefunden, ging die Stute dazwischen und verwies alle in ihre Schranken.

Immer wenn es um Ressourcen geht, wie z.B. Fortpflanzungspartner, Futter, Stellung in der Herde und auch Liege- und Schlafplätze, konnten ähnliche Verhaltensweisen der Eifersucht beobachtet werden.

Pferde können also ein Gefühl von Eifersucht empfinden und sie empfinden auch Zuneigung und Freundschaft untereinander.

Können Pferde Menschen dann auch lieben?

Die Antwort wird Euch freuen: Ein klares Ja!

Italienische Forscher haben die Herzfrequenz eines Pferdes beim Kontakt zu seiner Bezugsperson gemessen. Das Ergebnis war, dass der Herzschlag von Pferd und Mensch sich wenige Minuten nach der Annährung synchronisiert haben. Laut Forschung ist das ein starkes Zeichen der Zuneigung.

Und woher weiß ich, ob mein Pferd mich liebt?

Höre zu und schau genau hin!

Zunächst müssen wir Menschen lernen, zuzuhören und genau hinzuschauen, denn es gibt viele kleine Gesten und Signale, wie Dir Dein Pferd seine Zuneigung zeigt.

Die Begrüßung

Da ist zum Beispiel die Begrüßung. Nur weil Dein Pferd nicht auf Dich zuläuft, heißt das nicht, das es Dich nicht mag. Entscheidend sind die kleinen Gesten. Hebt es den Kopf, wenn Du es rufst? Brummelt, wiehert oder schnuppert es an Deiner Hand, wenn Du sie ihm hinhältst? Das sind wichtige, kleine Zeichen, die dafür sprechen, dass Dein Pferd Dich liebt.

Dein Pferd folgt Dir

Hund bringt weißes Pferd im Herbst

Folgt Dir Dein Pferd auch ohne Führstrick? Oder zeigt es Dir sein Vertrauen, indem es in einer grusligen oder neuen Situation für ihn auf Dich hört?

Dein Pferd entspannt sich in Deiner Nähe

Dein Pferd schenkt Dir sein Vertrauen und bleibt ruhig stehen, während um Euch herum Trouble herrscht. Auch kleine Anzeichen wie Entlasten des Hinterbeins, die Augen halb schließen oder die Ohren zur Seite kippen zeigen, dass Dein Pferd Dir vertraut. Wenn es sich in Deiner Nähe entspannen kann, ist das ein Zeichen von Liebe und Zuneigung. Dein Pferd vertraut Dir.

Zurück zur Ausgangssituation

Das Pferd fletscht die Zähne, sobald sich der Freund der Reiterin den Beiden nähert.

Pferde erkennen die wahren Gefühle ihres Gegenübers

Japanische Forscher der Universität Hokkaido haben herausgefunden, dass Pferde uns die ganze Zeit analysieren. Sie können die wahren Gefühle ihres Gegenübers kinderleicht erkennen, indem sie den Klang der Stimme, die Körperhaltung und den Gesichtsausdruck gleichzeitig analysieren.

Sind wir nicht authentisch, spüren die Pferde das und reagieren dementsprechend darauf. Wir sagen oft „Ja“ und meinen „Nein“ und wir lächeln auch mal, obwohl uns eigentlich zum Weinen zumute ist. Wir haben Angst und wollen es uns nicht eingestehen. Pferde durchschauen das sofort!

Was „sagt“ der Freund und was „denkt“ er vielleicht tatsächlich?

Junge Frau trainiert ein Pferd, während ihr männlicher Kollege einen Sattel vorbereitet

Der Freund sagt, dass er kein Problem damit hat, dass seine Freundin viel Zeit im Stall bei ihrem Pferd verbringt. Vielleicht wundert er sich aber eigentlich, wie seine Freundin so viel Zeit im Stall verbringen kann. Möchte der Freund vielleicht doch mehr Zeit mit seiner Freundin ganz ohne Pferd verbringen und ist selbst ein bisschen eifersüchtig? Oder ist es ihm vielleicht auch ein Rätsel, wie viel Zeit wir zum Betüddeln, Mähne striegeln und sanfte Pferdenasen bekuscheln aufbringen. Möglicherweise nimmt sich die menschliche Fellpflege-Freundin aber auch nicht ganz so viel Zeit für ihr Pferd, wenn der Freund dabei ist. Oder sie fühlt sich ein bisschen unter Druck gesetzt. Auch, wenn wir es selbst kaum oder gar nicht merken, das Pferd spürt es!

Der Freund ist mit zum Stall gefahren, weil er ja seiner Freundin zeigen will, dass er ihr Hobby akzeptiert und unterstützt. Aus vielen inneren Widersprüchen kann jedoch ein zwiespältiges Verhalten entstehen. Wir merken es nicht, doch das Pferd spürt das ganz deutlich. Damit ist es angespannt und überfordert.

Wir lieben unseren Partner und wollen am liebsten alles teilen

Das muss aber mit dem Hobby unseres Partners nicht zwingend auch so sein. Das Hobby akzeptieren und dem Anderen die Zeit lassen, die das Hobby braucht, ist auch ein großer Liebesbeweis.

Aber müssen wir denn wirklich alles teilen?

Und manchmal gibt es einfach Pferde, die in der Vergangenheit schlechte Erfahrung mit Männern gemacht haben. Ist dann ein weiterer Mann an der Seite der menschlichen Fellpflege-Freundin nicht geduldig genug oder das Pferd kann das Verhalten nicht eindeutig positiv zuordnen, kann aus Angst Abwehr und aggressives Verhalten werden.

Die Sache mit den schlechten Erfahrungen

Kennst Du ein Pferd, das schlechte Erfahrungen hat sammeln müssen, helfen nur viel Zeit und Geduld und optimaler Weise noch ein ausgeglichener Mann, um gute Erfahrungen machen zu können. Denn es werden ja auch mal der zumeist männliche Hufschmied oder der männliche Tierarzt kommen. Beide sind dankbar, wenn sie das Pferd in Ruhe behandeln können.

Wenn Dein Pferd unwirsch auf Deinen Freund reagiert

Reagiert Dein Pferd unwirsch auf Deinen Freund, ist es vielleicht besser, ihn zuhause zu lassen. So schön gemeinsame Hobbys auch sind, manchmal passt es einfach nicht.

Mein Mann kommt nicht mit zum Pferd. Vor drei Jahren wurde er mal in den Hintern gezwickt. Er hatte das Pferd nur führen wollen, aber war sich aber nicht sicher, ob er es wirklich machen wollte, wie er es behandeln sollte und … ob er nicht doch auch ein bisschen Angst hatte (würde er natürlich nicht offiziell zugeben 😉). Das war zu viel für das Pferd und hat daher deutlich gezeigt, was es davon hielt.

Wie zeige ich meinem Pferd, dass ich es liebe?

Wir wissen ja, dass wir die Pferde gerne streicheln, kraulen und auch aus der Hand füttern. Doch das reicht dem Pferd bei Weitem nicht als Liebesbeweis. Eine tiefer gehende Partnerschaft braucht Vertrauen und dadurch entsteht Sicherheit. Vertrauen zu uns kann unser Pferd nur aufbauen, wenn wir ihm einen festgelegten Rahmen vorgeben.

Konsequenz und klare Grenzen

Das bedeutet, wir sind konsequent und setzen klare Grenzen, immer, jeden Tag. Betteln und drängeln werden nicht geduldet. Wenn Du es mal durchgehen lässt und mal nicht, weiß Dein Pferd nicht, woran es ist und zweifelt Deine Führungsqualitäten an.

Wenn Dein Pferd Dich beim Führen bedrängt, will es austesten, wer ranghöher ist. Lässt Du es ihm durchgehen, zeigst Du, dass Du rangniedriger bist. Jetzt muss das Pferd auf sich selbst achten und das kann ängstliche Pferde noch unsicherer machen. Auch selbstbewusste Pferde können dann überfordert sein und ungewohnt reagieren.

Abstand halten

So wie Dein Pferd Abstand zu Dir halten soll, hältst auch Du Abstand zu Deinem Pferd. Pferde haben eine Individualdistanz, einen persönlichen Raum. Das ist eine unsichtbare Linie in Form einer Ellipse mit einem Durchmesser von 1,80 m bis 3 m. Diese Linie sollte auch nicht einfach durchbrochen werden. Deshalb treten wir ja so an das Pferd ran, dass es uns gut sehen kann. Wir begrüßen es und warten auf die Einladung: Begrüßungsgesicht und / oder Lautäußerung.

So einen persönlichen Raum hast Du auch. Ignoriert Dein Pferd das, testet es Dich aus, wer gerade ranghöher ist. Daher sollte Dein Pferd nur auf Deine Einladung hin in Deinen Bereich kommen dürfen.

Die Körpersprache

Wichtig für Dich als Führungsperson ist auch Deine Körperhaltung. Stehst Du aufrecht und entspannt? Fühlst Du Dich selbstbewusst? Dein Pferd wird das verstehen und akzeptieren.

Einfach mal so Zeit mit Deinem Pferd verbringen

Verbringe auch mal Zeit mit Deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu wollen. So zeigst Du, dass Du das Pferd wertschätzt. Und auch wenn Dein Pferd wieder mal nicht versteht, was du von ihm willst, werde niemals wütend oder grob. Sei immer einfühlsam und geduldig, denn Dein Pferd hat einfach nur nicht gewusst, was Du von ihm wolltest.

Frau und Pferd liegen auf einer Wiese

So bist Du Deinem Pferd ein guter Partner

Sei Deinem Pferd ein guter Partner, indem Du ruhig, konsequent und wertschätzend bist.

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Fabienne ist 36 Jahre jung und kommt aus dem schönen Freiburg.

Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

Hufpflege hat Fabienne wegen ihrer mittlerweile verstorbenen Stute Ganda erlernt. Sie hatte in jungen Jahren eine Hufrehe und demzufolge als Fabienne sie übernahm (sie war 17 Jahre) schlechte Hufe.

Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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