Mentales Training gegen die Angst beim Reiten

Ein Gastbeitrag der Diplom Sport Mentaltrainerin und Reitinstruktorin Lisa Fleischhacker.

Was ist mentales Training?

Wie sagte schon Boris Becker? „Gewonnen und verloren, wird zwischen den Ohren.“

Viele können sich unter Mentaltraining wenig vorstellen und Einige denken, das ist nur etwas für schwache Menschen oder im schlimmsten Fall Gehirnwäsche. Mentale Stärke ist nicht zwangsläufig angeboren. Man kann, darf und soll sie genauso trainieren wie Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Mentales Training bedeutet Geistiges (mental) üben und wiederholen zum Leistungserhalt oder zur Leistungssteigerung (Training). Visualisieren wird oft als Synonym für mentales Training verwendet, dabei ist es nur ein Teilbereich.

Ganz viele Abläufe in unserem Gehirn passieren automatisch, also unterbewusst. Das macht auch in vielen Situationen Sinn – denken wir nur an den Herzschlag oder die Atmung. Beim Reiten oder der Arbeit mit dem Pferd stehen wir uns dann aber manchmal selbst im Weg. Wir fühlen und handeln in einer Art und Weise, die wir gar nicht wollen. Wie gerne würden wir wieder freudig, entspannt und harmonisch Zeit mit unserem Pferd verbringen. Aber es klappt nicht. Kopfkino und Plappermann funken einfach zu oft dazwischen. Genau hier setzt das mentale Training an: Wenn wir uns dieser Abläufe bewusst werden, können wir sie so verändern, dass sie uns unterstützen und nicht boykottieren.

Moshé Feldenkrais hat das so schön auf den Punkt gebracht: „Wenn Du weißt, was Du tust, kannst Du tun, was Du willst.“

Pferde – wundervolle, kraftvolle Wesen

Und doch fühlt es sich manchmal schlecht an

Reiten nimmt unter den Sportarten und Hobbys einen besonderen Stellenwert ein. Wir haben es mit einem kraftvollen, wunderbaren Lebewesen zu tun. Ein Außenstehender kann gar nicht verstehen, warum man „es“ nicht einfach lässt, wenn man sich dabei immer wieder so schlecht fühlt, auf der Stelle tritt oder Angst hat. Doch so einfach ist das nicht. Da spielen so viele Emotionen mit und es ist uns ein tiefes Bedürfnis, eine Beziehung zum Pferd zu haben.

Bei den anderen klappt immer alles besser

Die meisten Pferdemenschen, die zu mir kommen, haben einen langen Leidensweg hinter sich und schon viel probiert. Leider ist Angst (nicht nur) im Reitsport ein großes Tabuthema.

Man schaut nach links und rechts und bei den anderen klappt vermeintlich alles. Deren Pferde gehen brav ins Gelände, erschrecken sich so gut wie nie und der Boxennachbar hat sein Pferd erst drei Monate und es läuft ihm schon hinterher wie ein Dackel…. Man selbst investiert so viel Zeit, Liebe und Geld in dieses wunderschöne Hobby und ist trotzdem seit drei Monaten nicht mehr im Gelände gewesen, nicht mehr als Trab geritten, nur mehr im Schritt unterwegs oder traut sich gar nicht mehr aufzusteigen. Und es ist ziemlich egal, ob man ein einschneidendes Erlebnis (Kontrollverlust, Sturz, Verletzung…) hatte oder ganz arge Ängste hat, dass etwas passieren könnte, obwohl noch nie wirklich etwas passiert ist.  Ob die Situation real ist oder war oder sich nur in unseren Gedanken abspielt – unserem Gehirn ist das egal. Es reagiert nahezu auf dieselbe Art und Weise.

Wer zu mir kommt, hat meist schon ziemlich die Freude an seinem Hobby verloren, sehnt sich danach (wieder) Freude, Harmonie und Entspannung mit dem Pferd zu erleben.

Das Gefühl, dass sich etwas ändern muss, sich selbst und dem Pferd zuliebe, wurde immer stärker. Einige wenige sind tatsächlich an dem Punkt, dass sie sagen: Es muss sich etwas ändern, sonst lasse ich das Reiten und verkaufe mein Pferd.

Wie funktioniert mentales Training?

An erster Stelle steht immer die Analyse.  Es geht darum, sehr genau zu reflektieren wann passiert was, wo und wie genau? Wer braucht gerade mehr Unterstützung? Das Pferd oder der Reiter? Oder beide?

Es macht nämlich wenig Sinn, einem Reiter, der Angst hat, weil sein Pferd bockt, zu erklären er solle doch bitte an etwas Schönes denken, atmen und seinem Pferd ein Lied vorsingen. Ich möchte sogar noch weitergehen: Das wäre grob fahrlässig! Deswegen zuerst sauber analysieren, verstehen lernen, die Hintergründe kennenlernen und einen kleinen Überblick erhalten, wie unser Gehirn funktioniert.

Erst danach legen wir einen großen Werkzeugkoffer an, um für verschiedene Situationen unterschiedliche Strategien an der Hand zu haben. Denn jedes Pferd-Reiterpaar ist anders. Jede Situation ist individuell. Eine Strategie ist für den einen Reiter perfekt, der nächste kann damit gar nichts anfangen. Es braucht also maßgeschneiderte Handlungsmöglichkeiten anstatt Schema F.

Was Du erwarten darfst und was nicht

Was man nicht erwarten darf ist, sich hinzusetzen und der Mentaltrainer wird es schon richten. Es bedarf großer Selbstverantwortung, Reflexion, Offenheit, Geduld und Bereitschaft zum Tun, um eine Veränderung zu bewirken. Hierbei ist es nie das Ziel, angstfrei zu werden, denn Angst ist ein wichtiger Teil von uns. Wichtig ist zu erkennen, wann die Angst berechtigt ist und wann weniger. Und wenn sie weniger wichtig ist, haben wir nach dem mentalen Training genügend Werkzeuge an der Hand, um uns selbst zu helfen.

Online oder offline?

Ich biete mentales Training inzwischen online, in Form von einer 30-tägigen mentalSTARK Mastermind an, aber auch offline als Tagesseminar. Für den Einen oder anderen mag es etwas befremdlich wirken, so ein Thema online anzugehen. Natürlich ist es schön, direkt mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht zu arbeiten. Ich sehe allerdings online einige tolle Vorteile.

Wer kennt das nicht? Man geht nach einem tollen Seminar oder einer tollen Fortbildung total beschwingt, mit 15 neuen Ideen nach Hause. Man setzt dann fünf um und merkt bei drei von fünf Ideen, dass man da nochmal Jemanden bräuchte, um Fragen zu stellen, um das für einen selbst praxistauglich zu machen, um das an seine Situation anzupassen. So eine Möglichkeit hat man nach einem Seminar eher selten. Oft ist es auch so viel Information an einem Tag, dass ein großer Teil gar nicht ankommt. Und man vergisst relativ schnell relativ viel, weil man es nicht selbst ausprobiert bzw. angewendet hat.

In den 30 Tagen gibt es jeden Tag Input, Anregungen, Fragebögen, Arbeitsblätter oder Buchempfehlungen.  Außerdem zwei 1:1 Coachings mit mir, so dass man Dinge ganz individuell unter vier Augen besprechen kann. In einer eigenen Facebookgruppe, die nur für die Teilnehmer der Mastermind zugänglich ist, kann man sich mit den Anderen austauschen und hat sozusagen 24/7 Support von mir. Es bleibt also nichts unbeantwortet oder unklar.

Wir wissen aus der Gehirnforschung, dass es mindestens 21 Tage dauert, um Gewohnheiten zu ändern. Deswegen arbeiten wir 30 Tage zusammen. Jeden Tag ein wenig. Wenn ich mich jeden Tag ein kleines bisschen mit einer Thematik auseinandersetze, lege ich garantiert die Basis für einen Neuanfang.

Mir und meinem Pferd zuliebe.

Was tust Du, um Deine Angst zu besiegen? Hinterlasse dazu gerne einen Kommentar.

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Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

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Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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