Ist Dein Pferd gestresst?

Gähnendes Pferd

Autorin: Rachele Trevisi, Tierphysiotherapeutin

Woher kommt der Stress und was kannst Du dagegen tun?

Der Winter ist bei den meisten Reitern und Pferdebesitzern nicht so beliebt. 

Die Tage sind kalt, nass und es wird früh dunkel. Das ist für Menschen und Pferde recht ungemütlich. Unsere Pferde finden das aber gar nicht so schlimm, denn sie halten die Kälte sehr viel besser aus als wir Menschen.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Oft sind es sogar die Menschen, die den Winter für Pferde ungemütlich machen. Es mag gut gemeint sein, ein Pferd im Winter in der Box zu lassen oder weniger zu trainieren. Aber wie heißt es immer so schön? Gut gemeint ist leider nicht immer gut gemacht.

Wenn Ihr hier schon länger fleißig mitlest, habt Ihr schon gelesen, dass eine artgerechte Haltung wichtig ist: Lange Boxenzeien, wenig Auslauf und Ställe bzw. die Boxen, die unsauber sind, können unsere Pferde stressen. Außerdem kann das zusätzlich noch zu Atemwegs-Infektionen führen.

Was ist Stress und welchen Einfluss das auf unsere Pferde?

Wer von uns fühlt sich nicht hin und wieder mal gestresst? Das tun wir doch alle, das ist keine Frage. Wir wissen auch, dass Stress einen starken Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität haben kann. 

Aber was ist Stress eigentlich und wie beeinflusst Stress unsere Pferde? In der Wissenschaft ist der Begriff „Stress“ nicht genau definiert. Damit kann ein Reiz gemeint sein, der Stress auslöst. Auf diesen Auslöser reagiert der Körper und das Verhalten verändert sich entsprechend. Ist ein Pferd dauerhaftem Stress ausgesetzt, kann es ernsthaft krank werden.

Die drei Stress-Fasen

Für uns und unsere Pferde sind alle drei Fasen sehr wichtig.

  1. Was verursacht Stress?
  2. Wie wird auf Stress reagiert?
  3. Wann ist Stress krankhaft und wird zu Dauerstress?

Wenn wir verstehen, was für ein Pferd stressig sein kann, können wir gleich von Anfang an dazu beitragen, das Stress-Level für unser Pferd zu senken.

Viele Dinge können bei unseren Pferden für Aufregung sorgen. Deshalb sind ausreichend Bewegung, richtige Ernährung und nach Möglichkeit das Leben in einer größeren Herde sehr wichtig. Somit sorgen alltägliche Umstände nicht schon für Stress beim Pferd. Eine artgerechte Haltung ist also, wie weiter oben schon erwähnt, das A und O. Warum das übrigens auch für die Hufgesundheit wichtig ist, kannst Du hier noch einmal nachlesen.

Stress wird als Ursache oft nicht sofort erkannt

Stressbedingte Symptome werden in der Praxis häufig falsch therapiert, weil die Ursache „Stress“ oft nicht sofort erkannt wird. Die Diagnose wird oft erst dann gestellt, wenn das Pferd ein bestimmtes Verhalten zeigt, das auf Stress zurückzuführen ist.

Ihr denkt Euch sicher, dass Pferde ja Fluchttiere sind und es überlebensnotwendig ist, dass das Pferd sofort eine körperliche Reaktion auf Stress zeigt. Das ist vollkommen richtig, aber …. Stress ist ein Stoffwechselzustand und zeigt sich auf allen Ebenen des Körpers.

Und wie reagiert der Körper auf Stress?

Produktion von Adrenalin und Noradrenalin

Wenn der Körper nur für kurze Zeit Stress ausgesetzt ist, kann er auf zwei Arten reagieren: Die schnellste Antwort ist die Produktion von Adrenalin und Noradrenalin. Das sind Moleküle, die als Stresshormone und Neurotransmitter wirken, also Neurohormone. Die Produktion von Adrenalin nennt man auch „fight-or-flight-response“ und folgt nur wenige Sekunden auf die Stresssituation. Das ist nicht schädlich für ein Pferd. Ganz im Gegenteil sogar! Das erlaubt dem Pferd, bestimmte gefährliche Situationen zu überstehen. Die schnelle Produktion von Adrenalin sorgt für eine rasche Mobilisierung von Energiereserven, die eben in gefährlichen Situationen das Überleben sichern sollen. So steigen das zentrale Blutvolumen und die Herzfrequenz, die Atmung wird schneller und mehr Energie verbraucht. Nicht notwendige Prozesse im Körper sind in dieser Zeit inaktiv, z. B. die Verdauung, denn die ist in dem Moment nicht überlebensnotwendig.

Aktivierung der sogenannten Stressachse

Ist der Körper jedoch für längere Zeit Stress ausgesetzt, z. B. durch psychische Belastungen, Leistungsdruck oder zu lange Fresspausen, wird die sogenannte Stressachse aktiviert. Das ist ein System, das chronischen Stress reguliert, in dem es das Glukortikoid „Cortisol“ produziert. Cortisol ist ein Stresshormon und setzt das Immunsystem herab. Dabei werden die Energiereserven von den Skelettmuskeln, der Leber und der Bauchspeicheldrüse mobilisiert. Dies kann langfristig jedoch zu körperlichen Schäden führen.

Dauerstress wirkt sich negativ aus

Dauerstress wirkt sich sowohl auf der kognitiven als auch auf einer emotionalen Ebene aus. Es kann zu verzerrten Wahrnehmungen und Störungen wie Angst, Unsicherheit aber auch Aggressivität kommen. Weitere Folgen können verminderte Leistungsfähigkeit, ineffiziente Handlungsweisen, allgemeine Überforderung und Erschöpfung sein. 

Langfristig beeinträchtigt Dauerstress das allgemeine Wohlbefinden, führt zu psychosomatischen und psychischen Störungen und zieht leider eben auch mehrere Krankheiten nach sich.

Schlussendlich können wir sagen, dass Stress, vor allem Dauerstress, vermieden werden sollte. Das ist bei uns Menschen ja auch nicht anders. Wer schon einmal länger unter Stress stand weiß, wie sich das negativ auswirken kann.

Wie kannst Du Stress verringern oder gar vermeiden?

Eine artgerechte Haltung ist unumgänglich. Darüber hast Du aber schon mehrfach gelesen und deswegen schreiben wir das hier nicht noch einmal. 🙃 Daneben ist aber auch das wichtig:

Optimales Futter

Sowohl Stress als auch zu viel Eiweiß oder Zucker im Futter stören den Verdauungsstoffwechsel und führen zu einem Mangel an Magnesium und Zink. Die weniger gute Darmflora führt dann zur Störung des Vitamin-B-Stoffwechsels. Vitamin B ist jedoch wichtig, weil es die Energieversorgung verbessert und auch die Funktionsfähigkeit der Nervenzelle. Hier kann eine Mineralmischung mit erhöhtem Vitamin-B-Inhalt helfen.

Eine beschädigte Darmflora kann auch die Aufnahme essenzieller Aminosäuren von z.B. Tryptophan verhindern. L-Tryptophan ist eine Vorstufe des „Glücks“-Hormons Serotonin. Ein Mangel von Tryptophan kann die Nervosität des Pferds erhöhen. Es gibt mehrere Nahrungsergänzungen mit L-Tryptophan auf dem Markt, die es sich auf jeden Fall lohnt zu probieren. Tierheilpraktiker (m/w/d) kennen sich hier prima aus und können Euch sicher helfen, den Stress Eures Pferdes zu reduzieren.

Wenn die Mineral- und Nährstoffversorgung nicht ausreichend ist, können Pferde auch unter Depressionen und Angst leiden.

In den nächsten Beiträgen schauen wir uns an, wie sich Stress auf die Hufgesundheit, die Muskulatur und die Verdauung auswirkt. Um diese Beiträge nicht zu verpassen, abonniere die Pferdelinse gerne auf Instagram oder auch Facebook.

Autorin: Rachele Trevisi von Tierphysio Wood.
Du findest Rachele auch auf Instagram. Rachele hat eine mobile Praxis und einen festen Standort im Tiergesundheitszentrum Dorfen in Bayern.

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Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

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Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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