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Herbstwinde – Manchmal machen sie Angst

Noch können wir ein paar warme und trockene Tage draußen nutzen, doch es ist Herbst und mit ihm kommt das windige und teils ungemütliche Wetter. Jetzt möchten wir lieber daheim im Trockenen bleiben und uns gemütlich auf der Couch einkuscheln.

Für unsere Pferde ist schlechtes Wetter jedoch kein Problem. Sie sind keine Höhlentiere. Sie brauchen die Weite und Eigenbewegung sogar. Pferde, die bei Wind und Wetter draußen stehen, sind in der Regel gesünder. Sie können Energie abbauen und ihre sozialen Kontakte pflegen.

Mit dem Herbst kommt die Angst

Mit dem Herbst kommt auch die Zeit, in der es öfter mal im Gebüsch raschelt und uns werden beim Ausreiten vermehrt Pfützen begegnen. Wer in seiner Vergangenheit schon schlechte Erfahrungen beim Ausreiten gemacht hat, wird jetzt noch vorsichtiger sein als sonst. Wer kennt es nicht? Auf dem Platz oder im Gelände bleibt Dein Pferd plötzlich stehen, der Kopf geht nach oben, die Ohren sind nach vorne gerichtet und der Körper ist angespannt. Diese Anspannung überträgt sich vielleicht auch auf Dich und Dein Herz rutscht in die Hose.

Woher kommt die Angst?

Was hat es mit der Angst auf sich? Sie ist ein Teil unseres Überlebensinstinkts. Das Gefühl einer Bedrohung, eine Reaktion auf eine gegenwärtige oder vorausgeahnte Gefahr. Vor etwas Angst zu haben, ist also auch wichtig und wir müssen lernen damit umzugehen.

Manchmal wollen wir es uns nicht eingestehen, unser Ego lässt das nicht zu. Alle im Stall können viel besser reiten, höher springen und das will ich auch. Trotzdem zittern Dir die Knie, wenn Du auf Dein Pferd steigst. Jetzt passiert Folgendes: Diese Unstimmigkeit zwischen dem was Du denkst und dem was Du fühlst, nimmt Dein Pferd wahr. Es überträgt sich auf Dein Pferd und kann auch ihm Angst machen.

Selbst wenn es Dir noch nicht klar ist, dass Du Angst hast, Dein Pferd kann es schon riechen, denn Dein Körper schüttet Pheromone aus.

Bist Du unsicher beim Ausreiten, wird Dein Pferd Deine Unsicherheit spüren. Es spiegelt Dich wider und wird dabei selbst unsicher und ängstlich. In diesem Moment hast Du die Führung abgegeben, die Dein Pferd dann übernehmen will. Und dadurch wirst Du in Deiner Angst bestätigt. Die Abwärtsspirale beginnt: Du wirst Gründe finden, warum Du heute nicht in den Stall fahren kannst oder warum heute nur spazieren gehen auf dem Plan steht.

Du bist nicht allein!

Die gute Nachricht ist: Du bist damit nicht allein!

Versuche Dir klarzumachen, wovor genau Du Angst hast oder was Dich unsicher macht. Und vielleicht hast Du dann auch eine Idee, was Du dagegen tun kannst.

Kennst Du die Szene aus dem Film „Ostwind“, in der ohne Sattel und Zaumzeug freihändig durchs Gelände galoppiert wird? Die Frage ist doch, ob Du auch genau das wirklich willst. Oder bist Du vielleicht auch mit einem entspannten Ausritt in verschiedenen Gangarten glücklich?

Bleib‘ mit Deiner Angst nicht allein! Sprich‘ mit einer Freundin / einem Freund über Deine Unsicherheit. Anfangs mag es Dir vielleicht schwerfallen, aber Du wirst merken, wie diese schwere Last dann Stück für Stück leichter wird.

Vielleicht kennst Du eine geduldige Reitlehrerin / einen geduldigen Reitlehrer, der Deine Grenzen akzeptiert, Dich dabei aber auch nicht unterfordert. Hauptsache, Du kannst in Deinem eigenen Tempo an den Ursachen Deiner Angst arbeiten. Und wer weiß? Vielleicht ist der entspannte Ausritt gar nicht mehr so weit weg!

Eine weitere Möglichkeit könnte auch ein gemeinsamer Ausritt mit einem Freund aus der Herde sein. Ob gemeinsames Reiten auf dem Platz oder im Gelänge möglich ist, hängt von Euren Gegebenheiten ab. Einen Versuch ist es aber bestimmt wert.

Ursachenforschung

Wenn Du Dich mit der Situation intensiv auseinandersetzt, wirst Du vielleicht feststellen, dass Dein Reitunterricht für Dich zu kurz war. Oder vielleicht war die Reitschule oder die Reitlehrerin / der Reitlehrer nicht die / der richtige für Dich. Und das eigene Pferd, das genau das macht, was Du möchtest, war eine verlockende Vorstellung. Doch plötzlich fühlst Du Dich überfordert. Es ist nie verkehrt, einen Schritt zurückzugehen und sich helfen zu lassen.

Was kannst Du tun?

Wenn Du glaubst, dass Dein Pferd unsicher ist, weil Du unsicher bist, bietet sich Bodenarbeit an. Damit kannst Du Euer Vertrauen wiederaufbauen und Dein Pferd ist geistig und körperlich aktiv. Außerdem bist Du bei der Bodenarbeit präsent und rufst Dir in Erinnerung, welche Signale Du geben musst, damit Dein Pferd in die Richtung läuft, die Du vorgibst. Das wird auch Dein Selbstvertrauen enorm steigern.

Bodenarbeit hat weiter den Vorteil, dass Du Dein Pferd sehr gut beobachten kannst. Wo liegen die Stärken und wo die Schwächen? Hier bieten sich unterstützend positive Verstärker an. Du weißt bestimmt, was Dein Pferd mag und was nicht. Mag es eher Leckerlis oder Reiben und Streicheln?

Körperkontakt fördert zudem auch Euer soziales Miteinander und stärkt Eure Bindung. Vor allem, wenn Du Dein Pferd an den verletzlichen Bereichen wie Hals, Widerrist, Rücken, Bauchseite oder Flanken berührst. Eine besonders empfindsame Stelle ist die Stelle zwischen den Augen, da das Sichtfeld hier stark eingeschränkt ist. Zeige Deinem Pferd, dass es Dir vertrauen kann.

Die richtige Atmung

Die Atmung wird auch gerne mal unterschätzt. Wir sind so damit beschäftigt, unser Pferd locker zu machen, dass wir anfangen, flach zu atmen. Wir ziehen die Schultern hoch und machen uns kleiner. Unsere sensiblen Pferde spüren das sofort und statt eines entspannten Pferdes haben wir nun ein angespanntes.

Konzentriere Dich immer mal wieder auf deine Atmung und atme gleichmäßig ein und aus. Das wird Dich beruhigen. Übrigens ist Singen eine gute Methode, das Atmen nicht zu „vergessen“. Denn dabei musst Du atmen und kommst aus der angespannten Situation heraus. Und Spaß macht es außerdem auch.

Meine Geschichte

Ich möchte Dir hierzu eine Geschichte erzählen: Seit ca. acht Jahren reite ich kontinuierlich. Ich war in zwei Reitschulen und erst vor zwei Jahren habe ich meine jetzige Reitlehrerin gefunden.

Vor einem Jahr wurde ich zweimal abgeworfen und danach war ich bereit mir ein Schaukelpferd zu kaufen. Mit echten Pferden wollte ich nur noch spazieren gehen. Mir haben die Knie gezittert, denn ich hatte Angst! Angst zu reiten, Angst die Kontrolle zu verlieren, Angst zu stürzen und mich schlimm zu verletzten. Das Pferd, das ich ritt, war plötzlich so groß wie ein Dinosaurier. Was sollte ich jetzt machen…?

Zum Glück ist meine Reitlehrerin sehr einfühlsam. Schon aus der Ferne hat sie mir angesehen, dass ich Angst hatte. Sie schlug mir dann vor, einige Schritte zurückzugehen, den Fellsattel zu holen und mich zu longieren.

Ich fühlte mich wie ein Wackelpudding: Keine Steigbügel, nur einen Riemen zum Festhalten. Sie führte das Pferd an der Longe und das gab mir Sicherheit, denn meine Reitlehrerin hatte jetzt die Kontrolle. Ich konnte das, was ich eh nicht besaß, ganz abgeben. Und so ging es im Schritt dahin.

Meine Reitlehrerin half mir, die Angst zu überwinden

Mit geschlossenen Augen konzentrierte ich mich ganz auf meinen Sitz und meine Atmung. In den nächsten Stunden kamen das Traben und auch lustige Übungen dazu. Wie beim Voltigieren sollte ich ein Bein über den Pferdehals nehmen oder auch mal seitlich sitzen. Ich sollte sogar mal rückwärts reiten, das fand ich sehr lustig.

Es kamen immer mehr Übungen dazu und irgendwann auch der Galopp. Dann schlug mir meine Reitlehrerin vor, freihändig und mit geschlossenen Augen zu galoppieren. Meine Augen waren zu, aber ich konnte nur einen Arm seitlich ausstrecken. Doch das war absolut kein Problem, denn es war für mich genau das Richtige. Ich lernte, wieder Spaß beim Reiten zu haben und keine Angst mehr zu haben.

Zurück zur Normalität

Als ich wieder im normalen Sattel saß merkte ich einen großen Unterschied. Mein Sitz hatte sich extrem verbessert. Mein Becken schwingt förmlich von allein mit, ohne dass ich die ganze Zeit darüber nachdenken muss. Meine Beine sind „länger“ geworden und ich sitze aufrecht im Sattel.

Meine entscheidende Erkenntnis war: Mein schlechter Sitz hatte mir immer ein unsicheres Gefühl auf einem Pferd gegeben. Dadurch habe ich mich klein gemacht und konnte meinem Pferd keine klaren Signale geben, was ich wollte.

Nun ist das Pferd ist jetzt wieder ein normales Pferd und kein gefühlter Dinosaurier.

Wie wirkst Du auf Dein Pferd?

Wenn Du mit einem Pferd arbeitest, egal ob vom Boden aus oder auf dem Pferd, Du solltest Dir immer bewusst sein, wie Du wirkst? Bist Du nervös und zappelig? Sind Deine Schultern nach vorne eingerollt und machst Du Dich klein? Strahlst Du Zuverlässigkeit und Selbstbewusstsein aus oder wirkst Du wie eine graue Maus?

Versteht Dein Pferd Deine Hilfen?

Es ist eine große Hilfe, sich genau vorzustellen, was Du heute mit Deinem Pferd machen möchtest.

Möchtest Du eine Volte nach rechts reiten und Dein Pferd bricht aus? Oder möchtest Du links abbiegen und Dein Pferd geht nach rechts? Versuche hier noch einmal nachzuvollziehen, ob Du selbst eine genaue Vorstellung von dem hattest, was Du wolltest. In solchen Momenten hat Dein Pferd die Führung übernommen, weil es nicht wusste, was es machen soll. Vielleicht waren Deine Hilfen nicht genau genug? Das passiert gerne, wenn Du selbst nicht sicher bist, was Du als nächstes tun möchtest.

Aber keine Sorge! Das wird schon werden! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Versuche, Dich auf Dich und auch Deine Atmung zu konzentrieren, damit Du im Training ruhig und gelassen bist. Atme tief ein und stelle Dir genau vor, was Du als nächstes tun möchtest. Du möchtest eine Volte nach rechts reiten, dann reite eine Volte nach rechts. Du möchtest links abbiegen und Dein Pferd möchte lieber rechts abbiegen? Dann korrigiere Dein Pferd sofort und biege doch links ab. Denn Du hast die Führung und bestimmst den Weg.

Klare Anweisungen sind wichtig

Stell Dir mal vor, Dein Chef kommt zu Dir mit einer Kiste loser Blätter und sagt, dass Du Dich darum kümmern sollst. An dieser Stelle wirst Du Dich wohl fragen, wie genau Du Dich darum kümmern sollst. Sollst Du die Blätter sortieren, abheften, verschicken oder doch schreddern? Dann fragst Du nach und bekommst die Antwort: Ja, vielleicht sortieren und abheften und verschicken??? Natürlich möchtest Du auch genau wissen, was zu tun ist.

So ist es bei Deinem Pferd auch. Es will klar wissen, was es tun soll. Macht es etwas anderes als Du willst, Du korrigierst es. Es kann schon sein, dass es jetzt mit Dir diskutiert, weil Dein Pferd klare Hilfen von Dir nicht gewohnt ist. Doch das ist egal. Du bleibst konsequent und reitest Deine Bahnfiguren so, wie Du willst. Denke immer daran, Du führst Eure kleine Herde an.

Wenn alle einfachen Tipps nicht helfen

Manchmal helfen aber all diese Tipps nicht. Dein Pferd verweigert die Zusammenarbeit, Dir ist ganz flau im Magen und dann sollst Du auch noch singen, um Dich zu entspannen? Wenn Du das Gefühl hast, Du kommst allein oder mit wenigen Hilfen nicht weiter, kannst Du immer noch eine Reitlehrerin / einen Reitlehrer oder Coach aufsuchen. Zu diesen Coaches gehen Reiter, die in der Regel schon einen langen Leidensweg hinter sich haben.

Angst beim Reiten zu haben, ist leider immer noch ein Tabuthema im Reitsport. Es gibt viele Reiter, die mit ihrem Pferd nur noch spazieren gehen, weil sie Angst haben. Doch Angst zu haben, ist keine Schande!

Du allein bestimmst das Tempo!

Hast Du eine gute Lösung für Dich gefunden? Prima! Denke immer daran, auf Dich selbst zu hören und auch nicht zu viel von Dir zu erwarten! Es wird gute, aber auch nicht so gute Tage geben. Angst zu haben, ist nichts Schlechtes! Versuche herauszufinden, ob sie in diesem Augenblick berechtigt ist oder nicht.

Und beim nächsten entspannten Ausritt nicht vergessen, dass Dein Begleiter ein Fluchttier ist. Es ist normal, dass es hinter einem raschelnden Busch oder in einer Pfütze den lauernden Wolf vermutet. Doch Du führst Eure Herde stolz und aufrecht an. Das gibt Deinem Pferd Sicherheit und es weiß, dass es Dir vertrauen kann.

Autorin: Bettina Staude

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