Angelaufene Beine im Herbst

Der Herbst bringt angelaufene Beine mit

Die Felder wurden abgeerntet, die Blätter fallen von den Bäumen und die Natur verabschiedet sich von einem erfüllten Sommer mit einer wundervollen Farbpracht. Die Tage werden kürzer und die Nächte werden schnell länger. Es ist Herbst. Und mit dem Herbst kommen die angelaufenen Beine beim Pferd.

Mit der Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit ändert sich bei unseren Pferden mehr als wir denken. Wenn wir nicht auf ihre Signale aufpassen, können wir ihre Gesundheit negativ beeinflussen.

Pferde in der modernen Gesellschaft

In unserer modernen Gesellschaft sind Pferde komplett abhängig vom Leben und den Bedürfnissen des Reiters. Sie entscheiden nicht, wo sie schlafen und was sie fressen. Ebenso können Pferde nicht selbst bestimmen, wie aktiv sie sind. Sie sind abhängig vom Menschen, der mit ihnen arbeitet oder auch nicht. Oft sind die Vorstellungen des Besitzers oder die Haltung  nicht ideal für das Pferd. Das kann ein großes Problem darstellen, wenn die Bedürfnisse des Pferdes ignoriert werden.

Das häufigste Problem des Pferdes im Herbst sind angelaufene Beine. Und oft wird das unterschätzt.

Warum schwellen die Beine überhaupt an?

Angelaufene Beine (oder „Filling“) bei Pferden ist ein Zustand, der auf das Anschwellen eines oder mehrerer Beine  zurückgeführt werden kann. Angelaufene Beine können mehrere Ursachen haben. Wichtig zu wissen ist, dass sie  keine Krankheit sind, sondern ein Symptom.

Ursachen

Schwäche des Lymphgefäßsystems

Eine mögliche Ursache für angelaufenen Beine kann eine Schwäche des Lymphgefäßsystems sein. Angelaufene Beine treten immer paarweise und an den Hintergliedmaßen auf. Das Lymphsystem des Pferdes ist, ähnlich wie ein Netzwerk, grundsätzlich mit allen Organen des Körpers verbunden. Damit ist es wesentlicher Bestandteil des Immunsystems. In diesem „Netzwerk“ verteilt sich die Lymphe, die zuständig für den Abtransport diverser Substanzen ist, wie zum Beispiel Giftstoffe, Eiweiße und Krankheitserreger.

Aus unterschiedlichen Gründen kann der Fluss der Lymphe unterbrochen oder beeinträchtigt werden. Als Folge sammeln sich Flüssigkeit und Schadstoffe im Gewebe und verursachen Schwellungen, meistens in den Hintergliedmaßen.

Bewegungsmangel

Eine weitere Ursache für angelaufene Beine kann Bewegungsmangel sein. Mit der Kälte und den kürzeren Tagen werden Pferde in der Regel weniger bewegt. Bei leichtem Auftreten von angelaufenen Beinen reicht es, wenn das Pferd sich mehr bewegt. Dadurch wird das Lymphsystem wieder in Schwung gebracht und die Beine schwellen meistens ab.

Starke Temperaturschwankungen

Starke Temperaturschwankungen mit dem folgenden Fellwechsel können ebenfalls für Schwellungen sorgen. Der Fellwechsel strengt das Immunsystem der Tiere an, was sich ebenfalls auf den Lymphfluss auswirken und zu angelaufenen Beinen führen kann.

Fütterung

Angelaufene Beine können auch an einer zu eiweißreichen Fütterung liegen. Wird über die Lymphe eine ungewohnt große Menge an Eiweiß abtransportiert, kann es im Gefäßsystem zu Stauungen und damit zu Schwellungen kommen.

Behandlung

Artikel zum Thema "Angelaufene Beine beim Pferd im Herbst" von Tierphysiotherapeutin Rachele.
Tierphysiotherapeutin Rachele bei einer Behandlung
©Jacky Wodrich

Die Behandlung angelaufener Beine hängt von der Ursache ab. In manchen Fällen reicht es bereits aus, die Haltungsform des Pferdes zu verändern, in anderen Fällen muss es von einem Spezialisten untersucht werden.

Die richtige Behandlung finden

Zunächst ist es wichtig herauszufinden, ob Dein Pferd wirklich angelaufene Beine hat oder doch etwas anderes. Die richtige Behandlung hängt von der richtigen Diagnose ab. Bist Du Dir nicht sicher, ziehe bitte einen Tierheilpraktiker oder auch Tierarzt zu Rate.

Du kannst folgende Symptome selbst überprüfen:

Warme Beine

Hat Dein Pferd warme Beine? Dann kann es sich um eine Entzündung handeln. In diesem Fall solltest Du Deinen Tierarzt anrufen.

Wo ist die Schwellung?

  • Ist die Schwellung nur an einem Bein oder an beiden Beinen? Du erinnerst Dich vielleicht noch an den Anfang des Artikels? Angelaufene Beine treten immer paarweise auf.
  • Ist die Schwellung in der Nähe eines Gelenks oder weiter ausgebreitet? Sollte die Schwellung im Gelenkbereich sein, kann es sich auch um eine Gelenkentzündung handeln. In diesem Fall ist es besser, Deinen Tierarzt oder auch Tierphysiotherapeuten anzurufen.
  • Wenn die Schwellung verbreitet und kalt ist, kann eine akute Entzündung ausgeschlossen werden. Vielleicht aber gibt es hier Probleme mit den Nieren, der Lunge oder im Herzbereich. Auch in diesem Fall ist es besser, Deinen Tierarzt anzurufen.

Tipps, wenn es wirklich „nur“ angelaufene Beine sind

Wenn Du sicher bist, dass es nicht die genannten Symptome sind, können folgende Tipps helfen:

  • Häufige und regelmäßige Bewegung 
  • Lange Stehphasen vermeiden
  • Eiweißgehalt im Futter reduzieren
  • Strümpfe – spezielle Kompressionsstrümpfe oder Bandagen können einen leichten Druck ausüben und dadurch die korrekte Funktion des Lymphsystems fördern.

Professionelle Unterstützung

Artikel zum Thema "Angelaufene Beine beim Pferd im Herbst" von Tierphysiotherapeutin Rachele.
Tierphysiotherapeutin Rachele bei der Behandlung
©Jacky Wodrich

Du kannst Dein Pferd auch durch eine manuelle Lymphdrainage unterstützten.

Die Behandlung sieht zwar einfach aus, dennoch solltest Du es nicht selbst probieren, sondern nur von einem Tierarzt oder Tierphysiotherapeuten. Führst Du die Lymphdrainage nämlich falsch aus, kannst Du im schlimmsten Fall sogar Gefäße beschädigen.

Auf jeden Fall kannst Du viel tun, um ein Anschwellen der Beine bei Deinem Pferd zu verhindern.

Autorin: Rachele

Hatte Dein Pferd schon einmal geschwollene Beine? Was hast Du getan, damit es Deinem Pferd wieder besser geht? Schreibe es gerne in die Kommentare, damit auch andere Pferdemenschen von Deinen Erfahrungen profitieren können.

Wenn Du aus dem Raum München bist und Rachele gerne für eine Behandlung kontaktieren möchtest, kannst Du gerne auf ihre Webseite schauen. Du kannst sie aber auch auf Instagram und Facebook besuchen! Rachele freut sich bestimmt!

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Fabienne ist 36 Jahre jung und kommt aus dem schönen Freiburg.

Sie reitet seit mehr als 20 Jahren und hat seit 14 Jahren eigene Pferde.

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Gelernt hat sie den Beruf bei Huftechnikern, Huforthopäden und bei einem Osteopathen (der früher Hufpfleger war). „Hufbearbeitung ist Osteopathie von unten“ – so sein Spruch. Und es ist viel Wahres dran. Wer erlebt hat, wie man mit 3mm kürzen den Rückenschmerz ausschalten kann, der vergisst das nicht so schnell.

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